Zeller+Gmelin
Neue Produkte für den Digitaldruck

17.05.2022 Der Druckfarbenhersteller Zeller+Gmelin GmbH & Co. KG, Eislingen/Fils, der sich auf strahlenhärtende Farbsysteme für den Offset- und Flexodruck spezialisiert hat, weitet sein Angebot mit UV-härtenden und wasserbasierten Lösungen für den Inkjet-Druck aus.

Anwendungsbeispiel für das Inkjet-Verfahren im Becherdruck.
© Foto: Zeller+Gmelin
Anwendungsbeispiel für das Inkjet-Verfahren im Becherdruck.

Die 2019 getroffene Entscheidung zur Erweiterung hat zum Ziel, die Marke Zeller+Gmelin als weltweiten Hersteller von Druckfarben in den Segmenten Etiketten und Verpackungen sowie Formkörper und Metal Dekoration zukunftsorientiert zu sichern. Dazu wurde das vorhandene Team mit seinem profunden Wissen über die Farbformulierung um Inkjet-Spezialisten ergänzt. Gleichzeitig erfolgte eine umfassende Investition in moderne Infrastruktur für Forschung und Entwicklung sowie die Produktion. Außerdem wurde ein eigenes Drucklabor für das Inkjet-Verfahren eingerichtet.

UV-härtende und wasserbasierende Inkjet-Farbsysteme

Die Aktivitäten konzentrieren sich auf UV-härtende und wasserbasierende Inkjet-Farbsysteme. Zeller+Gmelin setzt bei der Entwicklung hauptsächlich auf die Zusammenarbeit mit Systemintegratoren und Maschinenherstellern, so Jochen Christiaens, der als Digitaldruck-Spezialist für dieses strategische Geschäftsfeld zuständig ist. Ziel ist es, Synergien aus dem Wissen über Chemie und der Inkjet-Technologie sowie aus dem anwendungsbezogenen Know-how zu nutzen, über das der Druckfarbenhersteller aufgrund seiner langjährigen Vernetzung in den Marktsegmenten ‚Rigid Plastic‘, ‚Narrow Web‘, ‚Metal Decoration‘ und ‚Packaging‘ verfügt.

Aktuell findet die Entwicklung primär für Anwendungen im Großformatdruck (Large Format Printing) und im wachsenden Markt des industriellen Digitaldrucks für die individuelle Gestaltung auf Glas, Kunststoff und Metall statt. Daneben rücken traditionelle Geschäftsfelder des Unternehmens wie Schmalbahn-, Metall- und Formkörperdruck ebenfalls in den Fokus. Gerade in diesen Segmenten ist der Übergang von analogen zu digitalen Drucktechnologien in vollem Gange. In dieser Phase übernimmt Zeller+Gmelin eine wesentliche Rolle, weil neben der Entwicklung neuer Produkte und Komponenten vor allem auch deren Integration bei den Kooperationspartnern mit dem Fachwissen des Expertenteams begleitet wird.

Investition in spezielle Labortechnik

Das umfangreiche Know-how, das Zeller+Gmelin bei Farbsystemen für analoge Druckprozesse besitzt, ist eine wertvolle Basis für die Entwicklung im Digitaldruckbereich. Darüber hinaus halten die Anwendungen im Geschäftsbereich Digital Print jedoch in vielen Fällen neue Herausforderungen bereit. Den Unterschied dokumentiert allein schon die Tatsache, dass in diesem Marktumfeld nicht von Druckfarben, sondern von Tinten gesprochen wird. Digitale Tinten sind wesentlich dünnflüssiger als analoge Druckfarben und erfordern in der Folge angepasste Labor- und Analysegeräte sowie Produktionsanlagen. Aus diesem Grund hat der Druckfarbenspezialist am Hauptsitz in Eislingen ein eigenständiges ‚Inkjet Application Lab‘ eingerichtet, das mit einem speziellen Drucksystem von ImageXpert bestückt ist. Die Ausstattung umfasst eine Kamera zur Beobachtung der Tropfenbildung, einen LED-Trockner von Integration Technologies (ITL) zur Härtung der Tinte sowie Einrichtungen zur Vorbehandlung der Substrate, um die Oberflächenspannung beeinflussen zu können. Das Jetting-System ist so leistungsstark, dass das ‚Inkjet-Team‘ von Zeller+Gmelin in der Lage ist, quasi jede Druckanwendung nachzustellen und Produktentwicklungen zum größten Teil im eigenen Haus umzusetzen.

Anwenderorientierung

Eine Besonderheit im Inkjet-Geschäft ist auch der Vertrieb. Die Lieferung von Tinte ist derzeit in der Regel an ein Drucksystem und somit an einen Maschinenhersteller gebunden. Im Etikettendruck können Druckbetriebe bislang nicht wie bei klassischen Druckfarben aus mehreren Anbietern wählen. Jochen Christiaens hält es für die nächsten Jahre noch nicht für möglich, dass im Markt Tintenserien angeboten werden können, die einen einfachen und schnellen Wechsel in Inkjet-Anlagen ermöglichen.

Gleiches gilt auch, wenn es um die Wechselmöglichkeit und freie Auswahl an verfügbaren Tinten mit speziellen Eigenschaften, z.B. Low-Migration-Eignung, Haftung auf schwierigen Oberflächen oder Geruchsarmut geht. Inkjet-Tinten bzw. den Lieferanten im individuellen Fall je nach Leistungsspektrum und Anforderungskatalog schnell und unkompliziert zu wechseln, wird durch entsprechende Gewährleistungen und Garantien verhindert. Umso wichtiger ist deshalb nach Einschätzung von Jochen Christiaens, dass Maschinenlieferanten mehrere Tintenhersteller validieren. Auf diese Weise steht den Inkjet-Anwendern eine größere Auswahl zur Verfügung. So arbeitet Zeller+Gmelin beispielsweise darauf hin, zukünftig Inkjet Produkte mit analogen Druckfarben gemeinsam aus einer Hand anzubieten.

Der Trend geht in Richtung Digitaldruck

Das Inkjet-Verfahren zeigt im Schmalbahn-Segment seit vielen Jahren eine positive Entwicklung und besitzt auch für die Zukunft großes Wachstumspotenzial. Es erlaubt das Bedrucken vielfältiger Substrate mit brillanten Farbtönen, und ist mit Folienveredelungen kombinierbar. Bei kleiner werdenden Auflagengrößen und schnellen Jobwechseln ermöglicht der Inkjet-Druck eine gute Produktionsleistung bei anspruchsvoller Druckqualität und geringem Wartungsaufwand. Somit ist zu erwarten, dass sich die Technologie kontinuierlich weiterentwickelt und sich auf diese Weise in neuen Anwendungsgebieten etablieren wird.

Strahlungshärtende Druckfarben für den Flexo- und Offsetdruck erleben ebenso wie Inkjet-Tinten gerade turbulente Zeiten. Neben der Optimierung von Qualität und Prozessstabilität stehen sie verstärkt im Fokus von regulatorischen Bestimmungen. Sie reichen von verschiedenen gesetzlichen Vorgaben wie der Europäischen Chemikalienverordnung (REACH) oder der Schweizer Bedarfsgegenständeverordnung (SR 817.023.21) bis hin zu kundenspezifischen Vorgaben wie der Nestlé Guidance Note on Packaging Inks. Aus diesem Grund ist Jochen Christiaens überzeugt, dass sich in Zukunft wässrige Inkjet-Tinten für bestimmte Anwendungen durchsetzen werden. Er erwartet allerdings einen langsamen Technologiewandel, der sich über die kommenden fünf bis zehn Jahre erstrecken kann. Zeller+Gmelin treibt diese Entwicklung sowohl für industrielle Inkjet-Anwendungen als auch für analoge Druckverfahren in den Marktsegmenten des Schmalbahn-, Verpackungs- und Formkörperdrucks voran.

www.zeller-gmelin.de
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