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Neuer Verpackungscheck der Deutschen Umwelthilfe – Heftige Kritik an den Supermärkten

26.01.2022 Von der Obst- und Gemüseabteilung über das Getränkeregal bis hin zur Frischetheke – in einem neuen Test untersuchte die Deutsche Umwelthilfe Filialen großer deutscher Supermärkte und Discounter. Die Kritik des Umweltverbandes: die Händler verursachten unnötig viel Verpackungsmüll. Sie schadeten damit Umwelt und Klima.

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert Einwegverpackungen bei Discountern.
© Foto: Finke/DUH
Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert Einwegverpackungen bei Discountern.

Dies ist das Ergebnis des ersten Verpackungschecks der Deutschen Umwelthilfe (DUH), für den der Umwelt- und Verbraucherschutzverband in einer Stichprobe 48 Filialen von 12 Supermarkt-, Discounter- und Biomarktketten untersucht hat. Lediglich die Biomärkte schnitten zufriedenstellend ab und erhielten eine Grüne Karte. Die Supermärkte und Discounter hingegen bekamen allesamt Rote Karten. Sie setzten in den untersuchten Filialen selbst die einfachsten Maßnahmen für weniger Müll häufig nicht um, kritisiert die DUH. So stellten die Tester bei Obst und Gemüse fest, dass sogar robuste Standardprodukte wie Karotten, Äpfel oder Paprika häufiger in Einweg verpackt als unverpackt angeboten wurden. Trauriger Spitzenreiter sei hier Netto Nord mit 81 Prozent verpacktem Obst und Gemüse bei den Testbesuchen. Zudem boten Discounter wie Lidl, Aldi Nord und Süd in den getesteten Filialen bei Getränken zu 100 Prozent die von der DUH als unökologisch bezeichneten Einweg-Verpackungen, statt verfügbare regionale Mehrwegflaschen an.

Weniger Einweg gefordert

Die größten Verpackungssünder im DUH-Test seien über alle untersuchten Kategorien hinweg die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd. In einer gemeinsamen Petition mit Nachhaltigkeits-Influencerin Nadine Schubert forderte die DUH die beiden Aldi-Schwestern deswegen auf, ihr Sortiment von Einwegverpackungen zu befreien.

Dazu Barbara Metz, Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin: „Unser Verpackungscheck zeigt eindeutig: Das Prinzip Freiwilligkeit ist bei der Müllvermeidung im Handel krachend gescheitert. Die klassischen Supermärkte und Discounter werben zwar gerne mit angeblicher Nachhaltigkeit – bei unseren Testbesuchen in den Filialen fanden wir aber: unnötig viel Einweg, zu viel Plastik, zu viel Müll. Kein Wunder also, dass die Verpackungsmüllmengen in Deutschland von Jahr zu Jahr neue Rekordwerte erreichen. Bundesumweltministerin Steffi Lemke muss so schnell wie möglich handeln und verbindliche gesetzliche Vorgaben machen. Wir brauchen eine Halbierung des Verpackungsmülls bis 2025 und eine zusätzliche Einweg-Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einweg-Plastikflaschen, Dosen und Getränkekartons. Denn Einwegverpackungsmüll zu produzieren, muss teurer werden und darf sich nicht lohnen.“

Versprechungen nicht eingehalten?

„Verantwortliche Verpackungen, Vermeidung, Recyclingfähigkeit, Materialkreisläufe oder Mehrweg – die Handelsketten versprechen viel! Dabei scheint es jedoch eher um ein grün aufpoliertes und verkaufsförderndes Image zu gehen. Denn viele der Versprechungen stehen im Widerspruch zu den von uns festgestellten Einweg-Verpackungen in den Verkaufsregalen“, sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. „Dass es besser geht, beweisen bei unserem Test die Biosupermärkte. Alnatura, Bio Company und Denn’s Biomarkt lassen unnötige Verpackungen bei Obst und Gemüse überwiegend weg. Wenn Verpackungen unvermeidlich sind, wie bei Getränken, bieten sie klima- und umweltfreundliche Mehrweg-Alternativen an. Damit setzen die Biosupermärkte genau dort an, wo unsere größte Chance zur Verminderung der Abfallmengen und für effektiven Klimaschutz liegt: unnötige Verpackungen weglassen und notwendige Verpackungen in Mehrweg anbieten!“

www.duh.de
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